Der Weg der christlichen Theologie: Eine Einführung


 
Insbesondere für Studienanfänger gibt es derzeit keine bessere Einführung
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(TOP 1000 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Der Weg der christlichen Theologie: Eine Einführung (Gebundene Ausgabe) Im Rahmen seiner Lehrbuchreihe hat der Brunnen-Verlag das ursprünglich beim Beck-Verlag (München) erschienene Werk von Alister McGrath über geschichtliche und systematische Grundfragen der Dogmatik veröffentlicht. McGrath bietet in seinem Werk gleich eine dreifache Einführung. In dieser dreigeteilten Anlage entspricht McGrath der Anordnung des in Deutschland sich als Einführungswerk durchsetzenden "Grundinformation Dogmatik von Rochus Leonhardt (jetzt in dritter, völlig überarbeiteter Auflage).

Im ersten Teil präsentiert das Buch eine Übersicht über die Theologie- und Dogmengeschichte von den Anfängen bis zur Postmoderne. Dieser stark auf die Problemstellungen der theologischen Klassiker (von den Kirchenvätern bis zu den Reformatoren) bezogene Ansatz wird auch in den anderen Teilen des Werkes durchgehalten.

Im zweiten Teil wird in wichtige Fragen der Fundamentaltheologie bzw. der theologischen Prolegomena eingeführt: Theologieverständnis, Aufbau der Dogmatik und Aufgabe der Prolegomena, das Verständnis des Glaubens bzw. der Existenz Gott und das Wesen der theologischen Sprache sowie schließlich als Quellen der Theologie die Zusammenhänge von Offenbarung, natürlicher Theologie, Heiliger Schrift, Tradition und religiöser Erfahrung). In diesen Zusammenhang gehört sachlich auch die Frage nach dem Verhältnis von Christentum und Weltreligionen, die McGrath etwas unglücklich fast ans Ende seines Lehrbuches verwiesen hat. Gerade die grundlegenden Erörterungen zum Verständnis bzw. zur Kritik der Religion hätten die Prolegomenathemen des zweiten Teils abrunden können.

Im umfangreichsten dritten Teil wird schließlich eine Darstellung der christlichen Dogmatik von der Gotteslehre bis zur Eschatologie geboten. Auch dabei macht McGrath sich nicht abhängig von gegenwärtigen Interessen oder Modefragen, sondern konzentriert sich auf das klassisch zu nennende Erbe der großen christlichen Traditionen. Vor allem zur Christologie und Soteriologie bietet sein Lehrburch teilweise mehr als eine erste Hinführung. Der dogmengeschichtliche Hintergrund der trinitarischen und christologischen Auseinandersetzungen der Alten Kirche wird noch einmal vertiefend vergegenwärtigt. Ausführlich wendet sich McGrath auch der modernen Diskussion über das Verhältnis von Glaube und Geschichte angesichts der neuzeitlichen Bibelkritik zu. Die Leidenschaft für das klassische Christentumsverständnis verbindet sich dabei in gelungener Weise mit der Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit dessen moderner Infragestellung.

Vergleichsweise kurz werden hingegen Themen wie Schöpfungslehre, Anthropologie und Sündenlehre dargestellt. Hier beschränkt sich McGrath wirklich auf unverzichtbare Gesichtspunkte eines ersten Einstiegs in die Problemstellung. In den Fragen des dritten Glaubensartikels wendet sich McGrath auch einigen evangelikalen Positionen zu, von deren Existenz man in einem normalen Universitätsstudium in Deutschland kaum erfahren würde (von der Ablehnung der Kindertaufe oder der Sakramente insgesamt bis hin zum Einfluss des Darbymus auf Teile der evangelikalen Eschatologie). Auch wenn man sich diesen Positionen nicht verpflichtet fühlt, wird man es als ein Gewinn empfinden, ihren grundsätzlichen Ansatz mit in die Darstellung einbezogen zu finden.

McGrath gelingt es weitgehend in überzeugender Weise, unterschiedliche Positionen fair zu präsentieren und wichtige Ansätze zu ihrer Diskussion zu vermitteln. Dass sich in der gegenwärtigen evangelischen Theologie besonders Wolfhart Pannenberg, aber auch Jürgen Moltmann einer besonderen Wertschätzung erfreuen darf, sei nur am Rande vermerkt; ebenso die weitgehend kritische Bezugnahme auf Schleiermacher und Tillich.

In seinem Mut zur Vereinfachung geht McGrath bisweilen weiter, als es die deutsche Gründlichkeit erlauben würde. Vor allem im Blick auf die im Zuge einer liberalen Renaissance in Deutschland wieder sehr gepflegten Anstöße von Schleiermacher, Troeltsch oder Tillich wird man kaum sagen können, dass McGrath dem von ihnen vorgelegten Problemniveau immer gerecht wird. Zuletzt wird man freilich darin die Stärke des Buches zu sehen haben, wohl nicht für eine Examensvorbereitung genau genug zu sein, aber überhaupt eine erste Orientierung auf dem Feld der Theologie zu bieten, die auch für den Anfänger verständlich ist. Störend sind allein eine Reihe von sachlichen Unrichtigkeiten bzw. Ungenauigkeiten: Die Jahresdaten zu Schleiermachers Glaubenslehre stimmen nicht (111), ebensowenig die Bandangaben zur Kirchlichen Dogmatik von Barth (122), die Schilderung der theologischen Problematik des Ablasses verfehlt weitgehend dessen historischen Zusammenhang (79). Dass im Verhältnis von Luther und Calvin weitgehend Luther als wortgewaltiger Anreger, Calvin aber als eigentlicher Vollender einer reformatorischen Theologie zur Darstellung kommt, sollte nicht McGrath angekreidet werden, sondern eher für die deutsche Lutherforschung Grund zur selbstkritischen Frage sein, warum die systematische Lutherforschung sich bisher außerhalb der deutschsprachigen Grenzen noch nicht wirklich mitzuteilen vermocht hat.

Insgesamt verbindet das Lehrbuch von McGrath eine Reihe von Vorzügen. Erstens entscheidend sich McGrath grundsätzlich für einen Primat der Klassiker. Dem Register zufolge findet Augustin die meisten Erwähnungen im Verlauf der Darstellung, gefolgt von Thomas von Aquin, Luther, Calvin und Karl Barth. Das mag im Blick auf gegenwärtige Diskussionen unaktuell wirken, sichert seinem Buch aber bleibendes Interesse über den Tag hinaus.

An zweiter Stelle ist der internationale Horizont zu nennen. Zwar kommt auch eine ursprünglich englischsprachige Darstellung nicht daran vorbei, für die Zeit seit der Reformation überwiegend Ansätze deutschsprachiger Herkunft zu präsentieren. Um so mehr ist es für die deutsche Perspektive eine große Bereicherung, nicht nur als exotischen Seitenblick, sondern als integralen Bestandteil der Darstellung Ansätze aus dem angloamerikanischen Sprachraum präsentiert zu bekommen.

Drittens ist McGrath durchweg einer aufgeschlossenen evangelikalen Perspektive verpflichtet. Vielen Vorurteilen zum Trotz ist seine Darstellung nicht auf die Fragestellung des eigenen Milieus verengt, sondern lässt neben der reformatorischen Tradition auch katholische und orthodoxe Positionen zur Geltung kommen. Die Verbindung von ökumenischer Weite und eigener positioneller Verbindlichkeit ist dabei überzeugend gelungen.

McGrath ist das in deutschsprachiger Theologie seltene Kunststück gelungen, in seinem Werk nicht Ansprüche der gegenwärtigen Forschungslage, sondern den vielfach voraussetzungfreien Ausgangspunkt des theologischen Anfängers ins Zentrum zu stellen. Darum gibt es gegenwärtig insbesondere am Beginn des Studiums oder in der ersten Studienhälfte für den Bereich der Dogmatik keine bessere Einführung als dieses Lehrbuch.

Thorsten Dietz

Ichthys 46 (2008), 113-115
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 13. Mai 2008
Kundenrezensionen:
3. Insbesondere für Studienanfänger gibt es derzeit keine bessere Einführung (die aktuell angezeigte Rezension)
2. Gut verständlicher gründlicher Überblick
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