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| Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? Klärung eines Konflikts von
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Gute Einführung, mehr aber nicht
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? Klärung eines Konflikts (Taschenbuch) Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? Der Streit ist wohl so alt wie die historisch-kritische Methode selbst, und viele Studenten fingen und fangen noch heute mit einem unguten Gefühl ein Theologiestudium an der Universität an. Entweder weil sie selber Angst haben, sich einer Gefahr für den Glauben auszusetzen oder weil sie von ihrer Gemeinde zu Hause kritisch beäugt werden.
Siegfried Zimmer ist als Professor an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg vielen Studenten mit Bedenken gegenüber dem wissenschaftlichen Umgang mit der Bibel begegnet. Ihm liegt viel am Gespräch mit ihnen, und er will deshalb in seinem Buch den Konflikt offen legen und die wechselseitigen Argumente darstellen. Seine Zielgruppe sind alle Christen, die der Bibelwissenschaft skeptisch oder ablehnend gegenüber stehen, besonders junge Erwachsene, die eine theologische oder religionspädagogische Ausbildung beginnen wollen oder begonnen haben. Er will ihre Sorgen ernst nehmen und ihnen, wo möglich, eine Brücke bauen, um sie für ein positiveres Urteil zu gewinnen. Sein Anliegen ist dabei, das grundsätzliche Existenzrecht der Bibelwissenschaften aufzuzeigen. Das bedeutet, dass sein Interesse nicht den verschiedenen Richtungen und Positionen innerhalb der Bibelwissenschaften gilt, die seiner Meinung nach selbstverständlich auch kritisch zu beurteilen sind. Zimmer geht es um die Auseinandersetzung mit der prinzipiellen Ablehnung der Bibelwissenschaften, wie sie einem "fundamentalistischen" Bibelverständnis entspringt.
In einem Exkurs zu Beginn begründet Zimmer die Entscheidung, von 'Fundamentalismus' zu sprechen und führt aus, dass es sich dabei um einen theologischen Fachbegriff handelt, der sich auf den Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in Nordamerika entstandenen protestantischen Fundamentalismus bezieht. Da er in einer Bezeichnung wie "bibeltreue Christen" keine angemessene Alternative sieht und es sich bei "Fundamentalismus" ursprünglich um eine Selbstbezeichnung handelt, verwendet er diesen Terminus durchgehend. Inhaltlich beschreibt er das fundamentalistische Bibelverständnis anhand der Chicago-Erklärung, zu der er auch einen Exkurs bietet. Darin benennt er folgende Feststellungen: 1. Die Bibel ist verbalinspiriert, 2. Die Bibel ist Gottes Wort, 3. Die Bibel ist Gottes entscheidende Offenbarung, d.h. Grundlage des Glaubens, 4. In der Bibel gibt es keine Fehler und keine Widersprüche, 5. Die Bibel ist absolute Autorität, 6. Sämtliche Erzählungen der Bibel sind historische Tatsachenberichte, 7. Kritik und Zweifel an der Bibel stehen dem Menschen nicht zu.
Mit diesen einzelnen Aspekten des Bibelverständnisses setzt Zimmer sich auseinander. In jeweils einem Kapitel betont er die "Unterscheidung von Gott und Bibel" und "Die Unterscheidung von Jesus Christus und Bibel" und führt dabei die kategoriale und qualitative Unterscheidung ein. Diese Unterscheidung erklärt Zimmer ausführlich und bildreich, da er keine Fachkenntnisse voraussetzt. Die Quintessenz dieser Kapitel ist, kurz gesagt: Jesus Christus ist der Grund unseres Glaubens ' nicht die Bibel. Die Offenbarung in ihm ist in ganz anderen Kategorien zu erfassen als die Offenbarung in der Bibel. Damit handelt es sich nicht nur um eine rein qualitative, sondern um eine noch tiefere, nämlich kategoriale Abstufung.
Der Frage nach den historischen Tatsachenberichten widmet sich Zimmer ausführlich am Beispiel des Buches Hiobs. Dieses Kapitel, das Argumente bietet, an denen man nicht einfach vorbei kann, ist sehr inhaltsreich im Vergleich zu manchen anderen Passagen, die sich immer wieder kreisend und wiederholend einer Fragestellung nähern.
Das Hauptanliegen Zimmers muss in dem Aufruf zum gegenseitigen Hören und Verstehen gesehen werden. Ihn schmerzt der Riss, der durch die Christenheit geht. Immer wieder wirbt er darum, sich auf Gemeinsamkeiten zu besinnen. Ihm geht es darum, dass die christlichen Kirchen und Konfessionen sich nicht weiter gegenseitig verurteilen. Dabei ist allerdings die gegenwärtige Tendenz zu beobachten, Unterschiede "schön zu reden". Nicht wie einst in dem Sinne, dass sie wegdiskutiert werden, sondern in der Weise, dass sie zum "Ausdruck einer Vielfalt" erklärt werden, die man auf keinen Fall aufgeben dürfe. Ein ernsthaftes Ringen um Wahrheit ist dabei nicht immer zu erkennen.
Das Plädoyer für gegenseitiges Aufeinander-Hören und für Gespräch ist natürlich nur zu unterstützen. Es ist eine Mahnung an alle Dozenten an den Universitäten und Hochschulen, die Studenten in ihren Sorgen ernst zu nehmen; denn andernfalls treiben sie diese nur in eine reine Abwehrhaltung. In einem Kapitel am Ende des Buches beschreibt Zimmer deshalb biographische Aspekte in der Auseinandersetzung mit der Bibelwissenschaft und Möglichkeiten der Konfliktbearbeitung von Seiten der Dozenten.
Das Plädoyer ist aber auch eine Mahnung an alle Kritiker der Bibelkritik, den jungen Christen nicht Angst zu machen, sondern ihnen auf dem Weg des Verstehens und der eigenen Urteilsbildung zur Seite zu stehen.
Zimmer ist darin zuzustimmen, dass Theologen und ihre Positionen zunächst im Kontext ihrer spezifischen Fragestellung wahrgenommen werden sollten. Aus einer kritischen Sympathie heraus lassen sich die jeweiligen Motive eines theologischen Entwurfs in der Regel besser verstehen als in einer prinzipiellen Abwehrhaltung. In einem nächsten Schritt können dann Probleme und Grenzen des Entwurfs besprochen werden, um so bewusst Stellung zu beziehen, anstatt den Entwurf hochmütig zu verwerfen.
Für das Verstehen dieser Problematik ist Zimmers Buch als Einführung unbedingt zu empfehlen. Ob es eine Klärung des Konflikts im Sinne von "Aus-der-Welt-Schaffen" bietet, ist zu bezweifeln. Es ist eher eine Gesprächsanregung und kann deshalb auch denjenigen empfohlen werden, die das gegenseitige Verstehen in der studienbegleitenden Arbeit fördern wollen. Vor allem die knappen und dennoch umfassenden Darstellungen in den Exkursen und das Kapitel über 'Die Entstehung und Entwicklung der modernen Bibelwissenschaft' könnten sehr hilfreich sein. Und das Kapitel über das Hiobbuch bietet natürlich reichen Diskussionsstoff bei der Frage, inwiefern die historisch-kritische Bibelwissenschaft eine Daseinsberechtigung hat.
Corinna Schubert
Ichthys 45 (2007), 169f
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 31. Oktober 2007 | | |
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